30.11.2020

Stromsperren: Caritas erwartet mehr Energieschulden im Herbst und Winter

WETZLAR - In diesem Jahr werden auf Grund der Coronakrise deutlich mehr Menschen von Energiesperren betroffen sein, so die Befürchtung der Caritas. „Wir merken seit Corona einen deutlichen Anstieg der Anfragen“, berichtet Dirk Vollers, der das Projekt Stromspar-Check beim Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder leitet. Kooperationspartner ist das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill. „Viele Menschen die ihren Job verloren haben, in Kurzarbeit sind oder durch die Krise in eine Schuldenspirale rutschen, melden sich bei uns“, erzählt Vollers. Neben Ausgaben des täglichen Lebens treibe die Menschen auch die Frage um, wie sie ihre Stromkosten bezahlen sollen.

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„Erschwerend kommt hinzu, dass unter Corona-Bedingungen viele Menschen mehr Zeit zuhause verbringen“, so Vollers. „Auch das Homeschooling der Kinder macht sich bemerkbar und lässt den Verbrauch in vielen Haushalten stark ansteigen“. Mit den Stromsperren könne es schnell gehen, wenn die Rechnungen mal nicht bezahlt und vor allem, wenn große Beträge als Nachzahlung gefordert werden, weil die Abschläge den gestiegenen Stromverbrauch nicht decken. Schnell seien Betroffene mit mehr als 100 Euro im Rückstand.

 

Die Energieversorgung von Haushalten ist Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Dabei steigen die Kosten hierfür seit Jahren. Besonders hart treffen Kostensteigerungen diejenigen, die Sozialleistungen beziehen sowie Haushalte, die gerade so viel Einkommen erwirtschaften, dass sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben.

 

„Kein Strom bedeutet ein Leben ohne elektrisches Licht, ohne Elektroherd, ohne Mikrowelle, ohne Zentralheizung und ohne Telefon“, weiß Dirk Vollers aus seiner alltäglichen Arbeit.

Ihr Kontakt

Wiebke Aßheuer

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Goethestraße 13
35578 Wetzlar

Strompreis steigt - einkommensschwache Haushalte besonders von Energiearmut betroffen

Stromkosten werden, im Gegensatz zu Miete oder Heizkosten, nicht vom Jobcenter übernommen, sondern müssen von den Haushalten aus dem Regelsatz gezahlt werden. „Der Betrag, der im Hartz 4- Regelsatz für Strom eingerechnet wird, reicht für die steigenden Energiekosten einfach nicht aus“, so Vollers. Die tatsächlichen Ausgaben für Energie müssen berücksichtigt und die Regelleistungen entsprechend angepasst werden, so die Forderung der Caritas.

 

Ein weiteres Problem sieht Vollers in den oft prekären Wohnverhältnissen seiner Klienten: „Viele Menschen die wir beraten, leben in Wohnungen, in die die Eigentümer kein Geld investieren und die keinen guten Standards entsprechen.“ Oft würden immens hohe Stromkosten auf die Mieter umgelegt. Kaputte Heizungen oder zu kleine oder fehlende Heizkörper in einzelnen Räumen zwingen viele Mieter dazu, Elektroheizungen zu nutzen, die viel Strom verbrauchen. Bei der elektrischen Warmwasseraufbereitung mit Durchlauferhitzer oder Boiler haben Haushalte im Gegensatz zum Heizen mit Gas laut Vollers etwa fünf bis sechsmal so hohe Kosten. Diese Kosten müssen dann aus dem Regelsatz bestritten werden, der eigentlich für Essen, Kleidung und Bildung gedacht ist.

 

Das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill unterstützt das Projekt bereits seit 2008. „Uns ist es wichtig, unseren Kundinnen und Kunden ein zielgerichtetes Angebot zum Stromsparen zu unterbreiten“, so Vorstand Sebastian Kleist. „Das freiwillige Angebot an die Menschen im Lahn-Dill Kreis ist eine konkrete Möglichkeit, Einsparungsmöglichkeiten für Stromkosten selbständig umzusetzen“. Auch im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit sei das Projekt Stromspar-Check wichtig, denn, so Kleist: „Mit gezielten Tipps zur Einsparung von Strom und Wasser wird den Herausforderungen des Klimawandels begegnet.“

Hausbesuche finden unter geltenden Hygienerichtlinien auch weiterhin statt

Haushalte mit geringem Einkommen können einen kostenfreien Stromspar-Check beim Caritasverband bekommen. Bei einem Hausbesuch prüft geschultes Personal, ob die Stromkosten zu hoch sind und wie Energie und Wasser eingespart werden kann. Außerdem gibt es wichtige Tipps zu Einsparmöglichkeiten sowie schaltbare Steckdosenleisten, Durchlaufbegrenzer, wassersparende Duschköpfen oder LED-Lampen kostenfrei für die Haushalte. Das Angebot des Stromspar-Checks gilt für den gesamten Lahn-Dill-Kreis. Die Hausbesuche finden unter den geltenden Hygienerichtlinien statt.

 

Ein Termin kann telefonisch oder per Mail vereinbart werden. Auch eine Telefon- oder Onlineberatung für Risikohaushalte ist möglich: Tel. 06441 44 53 573 Mail: d.vollers@caritas-wetzlar-lde.de

Als Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose wird der Stromspar-Check seit 2008 durch das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill unterstützt.

Der Stromspar-Check Aktiv ist eine bundesweite Initiative, in der der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) die Bekämpfung von Energiearmut und die Erreichung von Klimaschutzzielen verknüpft haben. Gefördert wird das erfolgreiche Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Letzte Aktualisierung

30.11.2020

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Aktuelles aus dem Bistum

Bistum Limburg und der Diözesancaritasverband unterstützen Vereine zur Seenotrettung mit 25.000 Euro

BISTUM LIMBURG - Weltweite Krisen treiben weiterhin viele Menschen zur Flucht über das Mittelmeer. Allein 2020 ertranken dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration IOM 1426 Menschen. 2021 sind es bereits 306 Personen (Stand 30. März). Das Bistum Limburg und der Diözesancaritasverband Limburg unterstützen deshalb zwei Seenotrettungsvereine mit 25.000 Euro. 15.000 Euro gehen an Sea-Eye e.V in Regensburg, 10.000 Euro an SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V. Beide NGOs sind mit Schiffen und freiwilligen Helfern im Mittelmeer tätig. Im April will Sea-Eye e.V. ein weiteres Schiff namens „Sea-Eye 4“ in die Region entsenden, an dem auch das Bündnis United4Rescue beteiligt ist.

Philippinen nach Taifun auf Hilfe angewiesen

BISTUM LIMBURG - Der Taifun „Vamco" nahm tausenden Menschen ihr Zuhause und sorgte am Samstag, 14. November 2020, für Überschwemmungen im Großraum Metro Manila auf den Philippinen. Zur Katastrophenhilfe stellen das Bistum Limburg und der Caritasverband für die Diözese 50.000 Euro bereit. „Vamco“ ist bereits der fünfte Taifun in einem Monat, der auf die Küsten der Philippinen trifft.

Hilfe für Beirut - Bistum Limburg und Diözesancaritasverband spenden 50.000 Euro

BISTUM LIMBURG - Die Explosionen in Beirut sind eine Katastrophe für den Libanon und die Menschen, die dort leben. Um ihnen beizustehen und Solidarität zu zeigen, spenden das Bistum Limburg und der Diözesancaritasverband 50.000 Euro an Caritas International.